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Automatisierung Roboter im Kampf gegen Corona

Redakteur: Katharina Juschkat

Ein Besuchsroboter im Pflegeheim und Drive-Through-Coronatests – die Robotik-Industrie ist einfallsreich im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der VDMA Fachverband Robotik + Automation stellt bemerkenswerte Projekte vor.

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Ein Kuka-Roboter sortiert Blutproben und entlastet damit Laborpersonal.
Ein Kuka-Roboter sortiert Blutproben und entlastet damit Laborpersonal.
(Bild: Kuka)

Beim Kampf gegen die Corona-Pandemie rüsten aktuell viele Roboter-, Montage- und Fertigungsexperten im Eilverfahren ihre industriellen Produktionslinien um. Neue Ideen kommen dabei in Rekordzeit zum Einsatz. „Die Hilfsbereitschaft und Kreativität der Betriebe hat uns überwältigt“, sagt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation. „Von allen Seiten kommen Initiativen und neue Ideen, um Automatisierungstechnik für die Bewältigung der Corona-Krise einzusetzen. Dabei legen die Unternehmen eine atemberaubende Geschwindigkeit an den Tag: Es weht uns gerade eine kräftige Brise Gründerspirit um die Ohren.“

Eine Millionen Atemschutzmasken pro Tag

Dazu zählt zum Beispiel der Maschinenbauer PIA Automation aus Amberg bei Nürnberg. Das Unternehmen fertigt normalerweise vollautomatische Produktionsanlagen für die Automobil- und Konsumgüterindustrie, zählt aber auch Medizintechnikunternehmen zu seinen Kunden. Innerhalb weniger Wochen nach Ausbruch der Krise nahm PIA zunächst am Standort in China zwei stillgelegte Produktionslinien wieder in Betrieb und rüstete auf die vollautomatische Fertigung von bis zu 140.000 Schutzmasken pro Tag um.

Mit dem Wissen aus diesem Pilotprojekt arbeitet der oberpfälzische Maschinenbauer mittlerweile an zahlreichen Folgeaufträgen und stellt selbst neue Montagelinien in Deutschland für die Fertigung von Gesichtsmasken her. In wenigen Wochen steht die erste Auslieferung der Agenda. Damit lassen sich mehr als 1 Million Atemschutzmasken pro Tag herstellen.

High-Speed-Montageautomation für Atemschutzmasken

Das Projekt ist kein Einzelfall: Der Maschinenbauer Ruhlamat aus Marksuhl in Thüringen hat mit enormem Tempo eine Produktionslinie für chirurgische Einwegmasken entwickelt. Das Filtermaterial für den Atemschutz lässt sich je nach den benötigten Sicherheitslevels flexibel verarbeiten.

Die Maschinenbauer nutzen ihre langjährige Erfahrung aus der High-Speed-Montageautomation, um die benötigte Produktion von Atemschutzmasken auf das benötigte Volumen hochzufahren.

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Corona-Test im Drive Through

Im Gegensatz zum medizinischen Personal sind Roboter immun gegen Pandemien. Das nutzt eine neue Idee des Industrie-Dienstleisters Boka Automatisierung aus Unterfranken. Die vollautomatische Anlage erinnert an ein Drive-Through-Schnellrestaurant und kann von jedem Autofahrer für einen Corona-Test genutzt werden. Über ein Tablet identifiziert sich der Autofahrer durch das Seitenfenster seines Fahrzeugs und ein Roboterarm überreicht das Teströhrchen. Eine Videoanleitung leitet die Probenentnahme an. Das Teströhrchen wird danach wieder automatisiert zurückgenommen. Danach wird jeder Testteilnehmer telefonisch über das Ergebnis einer möglichen Coronavirus-Infektion informiert.

Bisher ist die Anlage noch in Planung, soll aber laut Unternehmen ab Ende April verfügbar sein. Dann warte man nur noch auf Interessenten. Vorstellbar wäre etwa eine Anlage an Landesgrenzen oder vor Krankenhäusern.

Kuka-Roboter sortieren Blutproben

Der sprunghafte Anstieg von COVID-19-Testverfahren erfordert die Durchführung zahlreicher Bluttests. Dieser Prozess wird traditionell von Laboranten in Kliniken händisch durchgeführt, ist sehr zeitaufwändig und monoton – also ein idealer Prozess, um automatisiert zu werden.

Im Universitätsklinikum Aalborg in Dänemark gibt es bereits ein Labor, das auch schon vor der Coronakrise von der Automatisierung profitierte. Täglich werden bis zu 3000 Blutproben in dem größten Krankenhaus in der Region Nordjütland von zwei Kuka-Robotern sorgfältig sortiert. Die Mitarbeiter sind von einem enormen Arbeitsaufwand entlastet und können sich auf anspruchsvolle Tätigkeiten abseits der Routine konzentrieren.

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Roboter James besucht in Pflegeheimen

Robshare, ein Unternehmen der Hahn Group Rheinböllen, unterstützt Bewohner von Pflegeheimen, während der Besuchsverbote Kontakt zu Familienmitgliedern zu halten. James heißt der nette Kommunikationsautomat. Der Roboter besucht die Menschen in den unter Quarantäne stehenden Räumen und schaltet Familienmitglieder einfach per Videokonferenz zusammen. Robshare bietet die Miete der Roboter kostenfrei an. „Wir verdienen an dieser Aktion keinen Cent, sondern müssen nur zusehen, dass unsere Selbstkosten größtenteils abgedeckt werden“, sagt Konstantin Dick von der Hahn Group. „Deshalb haben wir bereits mit der Suche nach Sponsoren begonnen, damit die Aktion für die Pflegeheime komplett kostenfrei angeboten werden kann.“

Reha-Roboter hilft mit Patienten

Das Unternehmen Life Science Robotics (LSR) hat mit Robert einen Roboter zur Mobilisierung von Patienten entwickelt. Das roboterbasierte Medizinprodukt unterstützt Physiotherapeuten in ihrer Arbeit, damit sie nicht selbst schwer heben müssen – in Zeiten von Social Distancing kommt der Vorteil hinzu, keinen engen Kontakt mit den Patienten haben zu müssen.

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