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Elektrische Verbindungstechnik Weidmüller gibt vorsichtigen positiven Ausblick für 2020

Redakteur: Kristin Rinortner

Die Weidmüller Gruppe gibt Auskunft über das durchwachsende Geschäftsjahr 2019. Derzeit fahre man in der Corona-Krise nach „Sicht“, da viele Unsicherheitsfaktoren Prognosen schwierig machten und kurzfristige Reaktionen notwendig seien. Man geht bei Weidmüller aber davon aus, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte schnell erholen wird.

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Corina-Krise: Weidmüller geht davon aus, dass sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2020 schnell erholen und wieder Fahrt aufnehmen wird.
Corina-Krise: Weidmüller geht davon aus, dass sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2020 schnell erholen und wieder Fahrt aufnehmen wird.
(Bild: Weidmüller)

Die Weidmüller Gruppe blickt auf ein durchwachsenes Geschäftsjahr 2019 zurück. In einem sehr schwierigen Marktumfeld, für das der ZVEI einen Umsatzrückgang von 1,8% vermeldete, erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 830 Mio. Euro. Das entspricht einem Umsatzwachstum von knapp 1%.

Bilanz bei Weidmüller: Der Vorstand der Weidmüller Gruppe blickt insgesamt auf ein durchwachsenes Jahr 2019 zurück und ist für 2020 zuversichtlich, als Unternehmen und Gesellschaft gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Bilanz bei Weidmüller: Der Vorstand der Weidmüller Gruppe blickt insgesamt auf ein durchwachsenes Jahr 2019 zurück und ist für 2020 zuversichtlich, als Unternehmen und Gesellschaft gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
(Bild: Weidmüller)

„Angesichts der Eintrübung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind wir mit dem Ergebnis dennoch zufrieden“, verdeutlicht Vorstandssprecher und Technologievorstand Volker Bibelhausen. Während die erste Jahreshälfte 2019 noch durch eine stabile konjunkturelle Lage gekennzeichnet war, zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte ein deutlicher weltweiter Abschwung.

„Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen, sind aber zuversichtlich, dass wir diese nicht nur bewältigen, sondern auch daran wachsen werden. Der Einstieg in Zukunftsmärkte wie der Elektromobilität, aber auch die weitere Automatisierung und das Geschäft mit IIoT-Lösungen werden uns hier in Zukunft helfen“, so Bibelhausen weiter.

Auftragslage im April deutlich abgeschwächt

Der Ausblick für das Jahr 2020 gestaltet sich aufgrund der aktuellen Lage schwierig. „Bereits zu Beginn des Jahres gab es viele Unsicherheitsfaktoren, die uns verhalten in die Zukunft haben schauen lassen“, erklärt Finanzvorstand André Sombecki. Die Auftragslage auf Vorjahresniveau aus dem ersten Quartal hat sich im April deutlich abgeschwächt.

„Von daher sind wir zufrieden, dass wir trotz aller Unwägbarkeiten, bisher passabel durch diese Krise gehen konnten. Wir sehen die Abschwächung und müssen weiterhin als vorsichtige Kaufleute agieren. Daher ziehen wir weiterhin alle Optionen in Betracht, um auf eine geänderte Situation kurzfristig reagieren zu können. Hierzu wird es auch im administrativen Bereich Kurzarbeit für den Monat Mai geben. Hier fahren wir ‚auf Sicht‘ und wägen alle weiteren Schritte sorgfältig ab”, führt Sombecki weiter aus.

China hatte sich im März wieder erholt

„In China waren wir schon Anfang des Jahres mit den Auswirkungen der Corona-Krise konfrontiert. Hier hatte sich die Lage im März allerdings relativ schnell wieder erholt. Hier sehen wir, dass sich nach einer Krisensituation die Wirtschaft schnell erholen und wieder Fahrt aufnehmen kann. Etwas, wovon auch wir derzeit für das zweite Halbjahr 2020 ausgehen”, ergänzt Vertriebsvorstand Dr. Timo Berger.

Weidmüller will 2021 wieder durchstarten

„Wir stellen daher die Weichen, um 2021 wieder richtig durchzustarten. Ohnehin sind unsere Planungen und Investitionen in Standorte und Technologien langfristig angelegt. Diesen Weg gehen wir gemeinsam mit unseren Gesellschaftern sowie den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, auf die wir uns auch in dieser Zeit verlassen können. Diese Bedingungen stimmen uns zuversichtlich, dass wir als Unternehmen und Gesellschaft gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden“, ist sich Bibelhausen sicher. „Die entsprechenden Produkte und Lösungen sowie die richtige Mannschaft haben wir dazu.“

Leistungselektronik-Firmen reagieren sehr schnell auf Konjunktur

Das Wachstum 2019 kam aus den Bereichen Tragschienenkomponenten, Markierer, Drucker, Montage und Beratung. Bei intelligenten Komponenten und Lösungen wuchs man sogar um 6%. „Getragen wurde das Geschäft hier von einer starken Nachfrage nach unserer neuesten Reihenklemmenfamilie sowie unseren Automatisierungsprodukten um u-remote sowie unseren Stromversorgungen“, erklärt Bibelhausen.

Lediglich der Bereich um die Geräte- und Feldverdrahtung sowie das OEM-Geschäft liegt mit –3% unter Vorjahr. „Der Rückgang ist hier vor allem der hohen Empfindlichkeit und schnellen Reaktion der Kunden aus der Leistungselektronik bei konjunkturellen Schwankungen geschuldet“, so Bibelhausen. Wachstum verzeichnete hingegen der Bereich Feldverdrahtung, der vom ungebrochenen Trend der Dezentralisierung in der Automatisierung und Elektrifizierung maßgeblich profitiert.

Sechs Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung

Mit 53 Mio. Euro investierte das Unternehmen aus Detmold 2019 mehr als 6% seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig investierte man knapp 60 Mio. Euro in die Modernisierung und den Ausbau des weltweiten Produktionsnetzwerks. „Der Schwerpunkt lag hier auf der Fertigstellung des dritten Flügels unseres Kunden- und Technologiezentrums sowie unserer Produktionsstandorte in China, Thüringen und Rumänien“, erklärt Sombecki.

In China eröffnete das Unternehmen im Juni ein neues, 14.000 Quadratmeter großes Produktionsgebäude. Und in Deutschland feierte man im Juni die Eröffnung einer neuen Produktionshalle am Standort in Wutha-Farnroda in Thüringen. „Die neue Fertigung ist ein weiterer Schritt für den Ausbau der TWG als Weidmüllers High-Tech-Standort für industrielle Steckverbinder- und Verkabelungslösungen“, erläutert Sombecki. „Weitere Erweiterungen des Werkes sind geplant, um die komplexen verlängerten Werkbankstrukturen sukzessive aufzulösen und eine ablaufoptimierte, hochautomatisierte Fertigung zu gestalten“, führt Bibelhausen aus.

Digitalisierung und Automatisierung im Kerngeschäft rund um die Reihenklemme

Beim Kerngeschäft rund um die Reihenklemme stärkt das Unternehmen seine Position durch digitale Services und weitere Lösungen und Komponenten zur automatischen Bestückung und Markierung. Es geht hierbei darum, die Arbeitsabläufe und Prozesse für Schaltschrankbauer und Monteure durch aufeinander abgestimmte Fertigungsabläufe effizienter zu gestalten. Die Vision, den Schaltschrankbau der Zukunft zu gestalten, verfolgt man in der Initiative „Smart Cabinet Building“ auch gemeinsam mit weiteren Unternehmen.

Buchtipp

Das Praxishandbuch Steckverbinder ist ein Nachschlagewerk für die Geräteentwicklung und für den Einsatz von Steckverbindern. Entwickler und Anwender erhalten Antworten auf Fragen zur Ausführung, Materialien, physikalische Grundlagen, Kontaktoberflächen, Abschirmmaßnahmen, Gehäusemechanik und Verriegelungssysteme.

Gleichzeitig baut man das Portfolio im Bereich Industrial Internet of Things weiter aus – mit Lösungen zur Erfassung, Weiterleitung, Verarbeitung und Visualisierung von Daten. Bereits letztes Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, dass es stärker in den Bereich IIoT investieren möchte. „Mit Sensoren zur Erfassung von Daten komplettieren wir unser Angebot und bauen dieses kontinuierlich aus. Abgerundet wird das Portfolio durch Industrial Analytics und das Tool Automated Machine Learning zur Datenauswertung. Auf Basis lückenloser Aufzeichnungen von Sensor- , Zustands- und Prozessdaten können Kunden verlässliche Vorhersagen über die Qualität ihrer Erzeugnisse treffen.

Investitionen in die Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität

Auch das Thema Elektromobilität wird in den nächsten Jahren weiter an Fahrt aufnehmen. „Auf der eMove360 im Oktober haben wir erstmalig unsere AC-Ladesäule vorgestellt und viel positives Feedback erhalten. Bei der Entwicklung unserer Ladeinfrastrukturlösungen berücksichtigen die Experten auch intensiv Faktoren, die bei der täglichen Nutzung eine Rolle spielen: Montage, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Akzeptanz von Ladestationen – und natürlich deren Wirtschaftlichkeit“, führt Bibelhausen aus.

Besonderen Wert legt der Elektronikspezialist auf die einfache Installation und hohe Nutzerfreundlichkeit – zum Beispiel wie der Stecker an der Ladesäule angebracht ist und wie das Kabel aufgewickelt wird. Dafür beteiligte sich Weidmüller 2019 mit 25,1% an der Paderborner Wallbe GmbH, um gemeinsam Lösungsangebote rund um die Ladeinfrastruktur in Europa zu entwickeln.

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