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Cleopa Exklusiv: Der Raspberry Pi wird zum Energiemanager

| Redakteur: Robert Weber

Ein Minicomputer soll das Energiemanagement vereinfachen. Der Raspberry Pi galt als Bastlerprodukt und will jetzt in der Industrie Anwender finden. Die Lösung dient als Einstieg für kleine Unternehmen in das Strom- und Energiesparen.

Der Raspberry Pi ist klein und bei Bastlern und Entwicklern sehr beliebt. Jetzt agiert der Computer als Teil eines Energiemanagements.
Der Raspberry Pi ist klein und bei Bastlern und Entwicklern sehr beliebt. Jetzt agiert der Computer als Teil eines Energiemanagements.
(Blid: Cleopa)

Hoch dekoriert und den meisten Menschen unbekannt – Eben Upton. Der englische Schaltkreisentwickler zählt laut MIT Technology Review zu den weltweit 35 einflussreichsten Erfindern unter 35 Jahren. Doch den meisten ist der Engländer ein Unbekannter. Das könnte sich bald ändern, denn seine Erfindung, der Minicomputer Raspberry Pi, erobert auch in der Industrie neue Einsatzfelder. Vor zwei Jahren kam der scheckkartengroße Computer als Bastlerprodukt auf den Markt und mittlerweile haben Upton und seine Kollegen mehr als drei Mio. Einheiten verkauft. Auffällig: auch professionelle Anwendungen laufen mittlerweile über den Raspberry. Auch beim Stadtmöbelhersteller Ernst Freyer & Sohn Metalltechnik aus Berlin wollen die Verantwortlichen mit dem Minicomputer arbeiten und Energiekosten sparen. Das Unternehmen verkaufte die ersten Straßenschilder und produziert heute mit Plasma-Brennschneidanlagen Parkbänke, Mülleimer oder Fahrradständer. Das Unternehmen ist Partner eines Forschungsprojekts der Hochschule Beuth und dem Energieberatungsunternehmen Cleopa. Das Ziel ist es, den Raspberry Pi als Rechnereinheit für ein Energiemanagementsystem zu nutzen. Fünf Monate tüftelten Energieberater Detlef Olschewski von Cleopa und die Wissenschaftler der Hochschule an der Lösung Cleo-Pi, bis bei Freyer & Sohn die ersten Tests liefen.

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Die Hochschule aus Berlin kümmerte sich um die Open Source Visualisierungssoftware und der Energieexperte installierte Sensoren und Messtechnik, um Verbräuche und Unregelmäßigkeiten zu lokalisieren. Heute sind drei von acht Zählern an das System angebunden und spucken erste Daten aus. Probleme gibt es noch bei den alten Gaszählern, berichtet Peggy Försterling, Geschäftsführerin von Freyer & Sohn. Über Wifi oder LAN liefern die Sensoren Daten über die Verbräuche von Wasser, Licht und Elektro an den Pi. „Dank der Visualisierung können wir Lastprofile und ein Strommonitoring anbieten“, erklärt Olschewski. Darauf setzt Försterling, denn in der Vergangenheit las sie manuell die Daten vom Stromzähler ab. Ihr Hauptaugenmerk liegt im Projekt allerdings auf den Spitzenlasten ihrer Produktion. Die Analyse der Verbräuche durch die Software soll helfen, Spitzenlasten zu begrenzen und Kosten zu reduzieren. Olschewski verspricht bis zu 20 % Einsparung mit dem Raspberry. Das dürfte Försterling freuen. Gleichzeitig plant die Unternehmerin energetische Sanierungen bei den Gebäuden und will das Energiemanagementsystem nutzen, um Nachholbedarfe auszumachen. Die geforderten Informationen erscheinen zukünftig über den Internetbrowser auf dem PC der Geschäftsführerin. Das Monitoring System erhebt die Daten (Verbräuche), visualisiert und speichert sie. Das nächste Ziel des Projektteams ist die Steuerung der Energieflüsse mit dem Minicomputer. Das dürfte Eben Upton gerne hören, denn sein Team bietet seit einigen Wochen ein Compute Modul zum Aufstecken an und das soll den Industrie- und Gewerbeeinsatz des Raspberry noch einmal vereinfachen. Energieberater Olschweksi träumt schon von dem Serienstart seiner Lösung. Noch sei Cleo-Pi ein Innovationsprojekt, aber derzeit würden die formalen Schritte für einen Markteintritt, wie beispielweise die CE-Erklärung, abgeschlossen. Gleichzeitig testet er im Rahmen von Energieberatungen weitere Schnittstellen zu Zählern. Olschewski ist sich sicher: Mit der Pi-Erweiterung um das Compute Modul lassen sich neue Lösungen für das Energiemanagement umsetzen, welche bisher oft Kosten in vierstelliger Höhe verursachten. Es ist vor allem das Preis-Leitungsverhältnis, das den Raspberry Pi attraktiv für Mittelständler macht. Das System kostet 40 Euro. Für den Energieeinsatz muss der Kunde mit rund 200 Euro rechnen inklusive Beratung und Open-Source-Messsystem.

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