8 Experten zum Thema Industrie 4.0 – Teil 3

Smart Factory - was kommt da auf uns zu?

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Frank Knafla, Master Specialist Industrie 4.0 bei Phoenix Contact Electronics: „So wird eine Voraussetzung geschaffen, um den Arbeitnehmer in der Rolle des Entscheiders und Problemlösers in den Herstellungsprozess zu integrieren.“
Frank Knafla, Master Specialist Industrie 4.0 bei Phoenix Contact Electronics: „So wird eine Voraussetzung geschaffen, um den Arbeitnehmer in der Rolle des Entscheiders und Problemlösers in den Herstellungsprozess zu integrieren.“
(Bild: Phoenix Contact)

Frank Knafla, Master Specialist Industrie 4.0 bei Phoenix Contact Electronics: Die Anpassung, Veränderung und Steuerung von Abläufen werden in die Verantwortung des Maschinenbedieners übergehen. Aufgrund der Vernetzung der Assistenzsysteme stehen kontextbezogene Daten und Informationen zur Verfügung, die der Bediener in der aktuellen Situation benötigt. Als Beispiel seien Arbeitsanweisungen an Handarbeitsplätzen, Handlungsempfehlungen für den effizienten Betrieb der Fertigung oder Anleitungen zur Störungsbeseitigung und Wartung genannt.

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Die Interaktion erlaubt es, Arbeitsweisen und Handlungen des Benutzers zu erfassen, auszuwerten und nachfolgend situationsbedingt als Information anzubieten. So wird eine Voraussetzung geschaffen, um den Arbeitnehmer in der Rolle des Entscheiders und Problemlösers in den Herstellungsprozess zu integrieren. Er handelt also eigenverantwortlich.

Darüber hinaus kommt der Zusammenarbeit eine größere Bedeutung zu. Deshalb ist es notwendig, dass die Mitarbeiter über das eigene Kompetenzfeld hinaus denken und ihre Arbeit im Kontext der kompletten Wertschöpfungskette sehen. Neben den fachlichen müssen sich die Beschäftigten folglich prozessorientierte Qualifikationen aneignen, welche die Grundlage einer gemeinsamen und vernetzten Planung der Arbeits- und Prozessabläufe bilden. Eine zunehmende Teamorientierung führt zur gleichberechtigten Beziehung der Mitarbeiter untereinander.

Die funktionale Arbeitsteilung wird durch die Notwendigkeit einer prozessorientierten übergreifenden Zusammenarbeit abgelöst. Das bedeutet, dass die Beschäftigten die Prozessabläufe gemeinsam planen und optimieren. Der Leitgedanke Industrie 4.0 bezeichnet die Parallelität und integrative Vernetzung des Entwicklungs- und Fertigungsprozesses mit dem Begriff „Collaboration“.

Die prozessorientierte übergreifende Zusammenarbeit beginnt somit bereits während der Entwicklungsphase. Die Konzeption von Produkten und die Planung der Produktion bedingen hier eine erweiterte Form der teamorientierten Kooperation und stellen damit hohe Ansprüche an die soziale Schnittstellen-Kompetenz. Erfordert das Miteinander der Beschäftigten soziale Kompetenzen, werden auf technischer Seite die Verschmelzung von IT-Technologien und industrieller Kommunikation sowie die Entwicklung zukunftsfähiger Automatisierungskonzepte benötigt. Durch die Umsetzung des Leitgedankens Industrie 4.0 werden die Menschen also nicht aus der Fabrikhalle verdrängt. Allerdings wandeln sich die Anforderungen an die Mitarbeiter und ihre Rolle. In Zukunft stehen Fähigkeiten zur Problemlösung in komplexen Systemen im Vordergrund. Das bedeutet, dass die Ansprüche an die Lernfähigkeit und Flexibilität der Beschäftigten steigen. Dem Überblickswissen und dem Verständnis für die Wertschöpfungsprozesse kommt eine genauso große Bedeutung zu wie dem Expertenwissen in den Disziplinen Maschinenbau, Elektrotechnik, Automatisierung und Informatik.

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