Suchen

Im Interview mit Wago

Wenn die Stromversorgung kommunizieren kann

| Autor/ Redakteur: Sariana Kunze / Sariana Kunze

Aus den Anforderungen von Industrie 4.0 hat Wago eine Stromversorgungsserie mit optional aufrastbarem Kommunikationsmodul abgeleitet. Im Interview mit elektrotechnik AUTOMATISIERUNG erklärt Klaus Böhmer, Business Unit Leiter Interface Electronic bei Wago, was eine moderne Stromversorgung können muss und warum auch extreme Anwendungen kein Problem darstellen.

Firmen zum Thema

Die Pro-2-Stromversorgen von Wago erlauben mit einem Kommunikationsmodul ein permanentes Monitoring aktueller Lastzustände.
Die Pro-2-Stromversorgen von Wago erlauben mit einem Kommunikationsmodul ein permanentes Monitoring aktueller Lastzustände.
( Bild: Wago )

Mit der Pro 2 Stromversorgungsserie hat Wago nun sechs Netzgeräte von 120 bis 960 Watt im Portfolio. Über ein aufrastbares Kommunikationsmodul lassen sich die Geräte an einen Feldbus anbinden und ermöglichen so einen kontinuierlichen Datenaustausch.

elektrotechnik Automatisierung: Herr Böhmer, Applikationen mit großem Leistungsbedarf verlangen professionelle Stromversorgungen, die auch Leistungsspitzen zuverlässig abdecken können. Die Stromversorgung Pro 2 ist seit 2019 neu im Programm von Wago. Wie ist Wago auf die Stromversorgung gekommen und warum? Womit differenzieren Sie sich?

Klaus Böhmer ist Business Unit Leiter Interface Electronic bei Wago. elektrotechnik-Redakteurin Sariana Kunze hat ihn im Wago-Stammhaus in Minden interviewt.
Klaus Böhmer ist Business Unit Leiter Interface Electronic bei Wago. elektrotechnik-Redakteurin Sariana Kunze hat ihn im Wago-Stammhaus in Minden interviewt.
( Bild: Vogel Communications Group )

Klaus Böhmer: Wir sind seit 1995 mit der Automatisierungstechnik im Markt: Remote IO, PLCs, etc. Diese Produkte müssen alle versorgt werden, benötigen also eine Stromversorgung. Die Pro 2 Stromversorgungen sind für uns daher kein wirklich neues Geschäft, da es sich dabei schon um die zweite Generation an Hochleistungsstromversorgungen von Wago handelt. Wir haben mit diesen Netzgeräten den Anspruch, uns durch eine hohe Effizienz und Zuverlässigkeit von anderen Anbietern am Markt zu differenzieren. Das heißt konkret: Weniger Verlustleistung sowie eine höhere Packungsdichte für den Schaltschrankbau. Zusätzlich haben wir die Anforderungen von Industrie 4.0 bzw. IIoT abgeleitet, die wir mit der Pro 2 alle erfüllen. Das gab es bislang noch nicht am Markt. Wir sind hier weltweit führend bezüglich dieser Merkmale. Ein wichtiger Aspekt stellt dabei das aufrastbare Kommunikationsmodul dar.

Was muss eine moderne Stromversorgung für Industrie-4.0-Anwendungen können?

Sie muss kommunizieren können. Denn mit der Kommunikation ist es nicht mehr notwendig, über ein Display am Schaltschrank die Stromversorgung zu überwachen oder dass ein Techniker vor Ort Einstellungen vornehmen muss – dies kann nun per Remote erfolgen. Beispielsweise können über einen Leitstand Parameter abgefragt oder verändert sowie die momentanen Prozessdaten des Gerätes angezeigt werden. Mit den Monitoringdaten lässt sich dann nicht nur der Zustand der Stromversorgung selbst überwachen, sondern auch der der angeschlossenen Geräte. Über das Lastverhalten können Anomalien festgestellt und Aktionen abgeleitet werden. Das Grundgerät lässt sich optional je nach Automatisierungsumgebung mit dem passenden Kommunikationsmodul ausstatten. Zum Marktstart bieten wir ein Modul für IO-Link an, weitere Module für Protokolle wie Modbus RTU, Modbus TCP sowie Ethernet-basierende Protokolle wie Ethernet IP oder Profinet werden folgen. Dadurch ergeben sich für den Anwender neue Möglichkeiten und Applikationen.

Für welche Anwendungen eignet sich die Stromversorgung?

Diese Stromversorgungen machen in erster Linie durch ihre hohe Effizienz extreme Anwendungen möglich. Durch eine geringere Verlustleistung kann beispielsweise trotz hoher Umgebungstemperatur mit voller Last weitergefahren werden. Aufgrund der geringeren Eigenerwärmung verlängert sich zudem die Lebensdauer. Beispiele für solche Anwendungen gibt es in der Prozessindustrie, Automobilindustrie oder dem Energiesektor, wo eine hohe Zuverlässigkeit verlangt wird. Die Geräte wurden in unserem hauseigenen Prüflabor zahlreichen Tests unterzogen, die mehr als anspruchsvoll waren. Sprich: Temperatur, aggressive Medien, Vibration, Lastschwankungen und EMV, dies insbesondere im Zusammenhang mit dem Kommunikationsmodul. Da Wago bereits die ersten Stromversorgungen im Feld beim Kunden platziert hat, konnten wir uns beispielsweise schon über sehr positives Feedback von einem süddeutschen Automobilhersteller freuen.

Laut Wago sind mit der Stromversorgungsserie Pro 2 keine überdimensionierten Netzgeräte mehr erforderlich. Warum ist das so?

Da die Netzgeräte trotz hoher Leistungsdichte und eines Wirkungsgrades von über 96 Prozent über eine sehr schmale Baubreite verfügen, benötigen sie wenig Platz im Schaltschrank und erzeugen auch weniger Abwärme. Zudem beinhalten die Geräte die Funktionen Topboost und Powerboost. Diese Funktionen erlauben Lastströme, die kurzzeitig deutlich über dem Nennwert liegen, notwendig beispielsweise im Einschaltmoment angeschlossener Verbraucher oder bei deren Lastschwankungen. Aus der Praxis wissen wir, dass manche Anwender die Netzteile nur zu 50 Prozent auslasten, um auf der sicheren Seite zu sein. Das hat zwei negative Effekte: Zum einen ergibt sich der maximale Wirkungsgrad bei höherer Auslastung und zum anderen müsste man bei 50 Prozent doppelt so viele Netzteile verbauen wie eigentlich notwendig wären, um die Gesamtlast betreiben zu können. Diese beiden Fälle können mit Pro 2 gelöst werden.

Auf der Hannover Messe haben Sie die Stromversorgungsserie erstmals vorgestellt. Was kann man künftig aus diesem Bereich noch erwarten?

Mit dieser eigenen Entwicklung von Netzteilen haben wir uns auch der einen oder anderen Herausforderung stellen müssen. Deshalb haben wir uns anspruchsvolle Pilotkunden beispielsweise aus der Automobilindustrie gesucht, um sicherzustellen, dass wir Geräte haben, die eine hohe Akzeptanz im Markt finden. Wir sind auf dem richtigen Weg, wie uns das Feedback gezeigt hat, und wollen uns künftig verstärkt um die Entwicklung weiterer Netzteil-Familien kümmern. In den nächsten Jahren wird aus diesem Bereich noch einiges von Wago zu erwarten sein.

SEMINARTIPPDas Seminar „Zuverlässige Stromversorgungen“ vermittelt, wie Sie mit Oszilloskop und Stromzange selber herausfinden, ob man ein zuverlässiges Netzteil hat.
Weitere Informationen

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46008531)