Bildverarbeitung

Diese Kameras prüfen Steckverbinder fehlerfrei

| Autor / Redakteur: Stefan Waizmann* / Ines Stotz

Otto Vision Technology setzt an seinen Prüfstationen Kameramodelle der EXO- und EVO-Reihe von SVS-Vistek mit 3, 5 oder 8 Megapixel Auflösung ein.
Otto Vision Technology setzt an seinen Prüfstationen Kameramodelle der EXO- und EVO-Reihe von SVS-Vistek mit 3, 5 oder 8 Megapixel Auflösung ein. (Bild: SVS-Vistek)

Bis zu 30 Steckverbinder pro Sekunde, an jedem Teil eine beliebige Zahl an einstellbaren Prüfmerkmalen, und jeder Fehler muss mit 100prozentiger Sicherheit erkannt werden. Das in Jena ansässige Unternehmen Otto Vision Technology baut Prüfanlagen, die derartige High-end-Anforderungen erfüllen, und setzt dabei auf Kameras von SVS-Vistek.

Der Firmenname Otto Vision Technology deutet die technische Kernkompetenz des Jenaer Unternehmens an, das die Brüder Gunter und Reinhard Otto 1992 als Ingenieurbüro für Industrielle Bildverarbeitung gründeten: Steckverbinderteile wollten die beiden während der Produktion mit Hilfe selbst entwickelter Bildverarbeitungssoftware überprüfen und waren in diesem Nischenmarkt auch schnell erfolgreich. Schon bald erweiterten die Geschäftsführer ihr Angebot jedoch und setzten sich das Ziel, Komplettgeräte zu bauen.

„Im Jahr 2000 haben wir uns auf komplette Prüfgeräte für Steckverbinderteile und andere Kleinteile in der Stanzindustrie spezialisiert, die unter anderem von zahlreichen Automobilzulieferern eingesetzt werden, um Kabel für den Einsatz in Fahrzeugen zu fertigen“, erinnert sich Gunter Otto. „In dieser Branche darf kein einziges fehlerhaftes Teil in die weitere Produktion gelangen, denn die Folge davon könnten extrem teure Rückrufaktionen sein.“

Blitzschnell und ganz genau prüfen

Der mit dieser Auflage verbundene Druck auf die Sicherheit der Qualitätsprüfung nimmt noch zu, wenn man sich vor Augen führt, wie die weltweit milliardenfach eingesetzten Steckverbinder produziert werden: Stanzmaschinen mit Geschwindigkeiten von bis 1800 Hüben pro Minute formen die Steckverbinder, die als Stanzstreifen durch die Anlagen laufen. Nach ihrer Herstellung müssen verschiedenste Geometriemerkmale mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Teilen pro Sekunde auf Maßhaltigkeit mit typischen Toleranzen in der Größenordnung von bis zu +/- 0,02 mm überprüft werden. Theoretisch sind sogar Genauigkeiten bis zu 1 µm möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass Steckverbinder aufgrund ihres metallischen Materials Licht bei ungeeigneter Beleuchtung sehr stark reflektieren und so für schwierige optische Verhältnisse für die Bildverarbeitung sorgen.

„Derartige Prüfgeschwindigkeiten in Kombination mit der Anforderung, jedes fehlerhafte Teil mit 100prozentiger Sicherheit zu erkennen, lässt sich nur mit leistungsstarken Prüfsystemen realisieren, bei denen die mechanischen Elemente, High-end-Bildverarbeitungssysteme und die Bedien- und Auswerte-Software optimal aufeinander abgestimmt und integriert sind“, betont Gunter Otto. Die Anlagen seines Unternehmens setzen diese Anforderungen gekonnt um, wie die beeindruckende Kundenliste des Jenaer Unternehmens belegt. Darauf finden sich inzwischen unter anderem Delphi Connection Systems, Diehl Metal Applikations, Erni Elektroapparate, Inovan, Lear Corporation, Leopold Kostal, Patterer, Phoenix Feinbau, Scherdel Waldershof, Svoboda Stamping, TE Connectivity und Weidmüller Interface.

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Flexible Software als Erfolgsfaktor

„Als wir im Jahr 2000 damit anfingen, komplette Prüfgeräte zu bauen, war die Bedienung zur Einrichtung neuer Produkte noch sehr kompliziert“, blickt Otto zurück. Auf dieses Thema konzentrierten sich die Brüder im Krisenjahr 2009 und verstärkten ihre Entwicklungsabteilung, um in der Folge eine komplett neue Software-Generation zu entwickeln, deren Fokus auf der Ergonomie und den Konfigurationsmöglichkeiten durch den Endkunden lag. „Dieser Schritt hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen und ist heute ein wesentlicher Grundstein unseres Erfolgs“, freut sich Gunter Otto über die damalige, richtungsweisende Entscheidung.

Das Hauptgeschäftsfeld der Otto Vision Technology sind zwar komplette Prüfstationen für Stanzstreifen, doch auch den Erfolg von weltweit über 2000 installierten Bildverarbeitungssystemen führt Gunter Otto zu einem großen Teil auf die leistungsfähige Software zurück, mit deren ständiger Weiterentwicklung acht seiner derzeit rund 30 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Die gesamte Bildverarbeitungssoftware inklusive kritischer Algorithmen wird hier bei uns im Haus entwickelt. Mittlerweile haben wir gute 30 Mannjahre in die neue Softwaregeneration investiert“, verdeutlicht er den Schwerpunkt seines Unternehmens. „Unsere wesentliche Stärke besteht darin, dass unsere Bildverarbeitungs-Software so flexibel und einfach zu bedienen ist, dass Kunden ihre Teile selbst einrichten können.“ Und das zahlt sich aus: „Wir hören von unseren Kunden häufig, dass sie bei der Einrichtung der Anlagen wesentlich schneller sind als mit Geräten unserer Wettbewerber. Das ist ein entscheidender Kostenfaktor im Betrieb und somit ein wichtiges Argument für unsere Anlagen.“

Die Fokussierung auf die Bildverarbeitung führte dazu, dass Otto Vision Technology nicht nur Komplettgeräte entwickelt, sondern die hauseigene Software auch für Bildverarbeitungssysteme in ganz anderen Einsatzbereichen wie z. B. in der Möbelindustrie, in der Leiterplattenproduktion und in vielen weiteren Branchen anbietet. Dabei bewegen sich die Entwickler für zeitkritische Prozesse nicht selten auch in der Linux-Welt. Flexibel sind die Jenaer auch bei der Wahl der Softwareplattformen für die Bildverarbeitung: „Wenn ein Kunde etwa bestimmte Halcon-Tools als Softwarebasis in seiner Anlage nutzen möchte, können wir dieses Modul sehr einfach so integrieren, dass alles in die ‚Otto-Welt‘ passt.“

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