VDE-Studie zu Servicerobotern

Roboter erobern bald Haushalt und Pflege

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Die höchste Verbreitung von Servicerobotern im Privatenbereich erreichen Staubsauger- und Wischroboter (4,2 Mio.) sowie Rasenmähroboter (ca. 133.000). Mit steigender Tendenz: Für das Jahr 2012 wird bereits eine Verbreitung von 8,8 Mio. Staubsaugerrobotern prognostiziert. Insbesondere die (noch) hohen Kosten sind es, die Verbraucher von einer Anschaffung für Haushalt oder Garten abschrecken.

Große Fortschritte sind in naher Zukunft im Bereich der Rehabilitationsrobotik zu erwarten. Rehabilitationsroboter wie zum Beispiel intelligente Rollstühle, kleine Roboterarme oder neuartige Beinprothesen ermöglichen es alten, kranken oder behinderten Menschen heute schon, verlorene Mobilität und Selbstständigkeit zurückzugewinnen. Hohe Erwartungen richten sich auf die Entwicklung von menschenähnlichen Robotern (Humanoide) als Haushaltshelfer für komplexe Aufgaben oder als persönlicher Assistent für ältere Menschen erledigen. Bisher haben nur wenige Firmen in Japan, Korea und China erste humanoide Roboter auf den Markt gebraucht. Auch in diesem Segment werden jedoch für die nächsten zehn Jahre erhebliche Zuwachsraten vorhergesagt.

Serviceroboter als Chance für Senioren

Ein Grund für den kommenden Boom von Servicerobotern für komplexe Tätigkeiten im Haushalt oder in der Pflege ist im demografischen Wandel zu finden. Denn pflegende Angehörige und ambulante Pflegedienste allein werden die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft nicht bewältigen können. Dies liegt nicht nur an der großen physischen und psychischen Belastung, denen die Angehörigen von Pflegebedürftigen langfristig oft nicht gewachsen sind. Die Zahlen sprechen für sich: Aktuell sind in Deutschland bei den 11.500 ambulanten sowie ca. 11.000 stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen 574.000 Menschen beschäftigt. Die Zahl der Vollbeschäftigten in der Pflege müsste bis 2050 auf 1,35 Mio. steigen, damit die dann bedürftigen älteren Menschen versorgt werden können. Dieser Fachkräftemangel dürfte auch durch die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte nicht auszugleichen sein.

Genau an dieser Stelle können Haushalte- und Pflegeroboter dazu beitragen, die Lücke zwischen einer kontinuierlich alternden Bevölkerung, der zunehmenden Zahl von hochaltrigen und unterstützungsbedürftigen Menschen, der rückläufigen Erwerbsbevölkerung und dem Mangel an Pflegekräften zu schließen. Die Roboter sollen, so die Vision, gemeinsam mit den älteren Menschen den Alltag bewältigen und sie dabei unterstützen, länger möglichst eigenständig zu leben. Dies wirft in der Folge die Frage auf, ob und welche Serviceroboter von Senioren überhaupt akzeptiert werden.

So wünschen sich Senioren ihren Freund

Wichtige Anhaltspunkte für sinnvolle und attraktive Robotik-Anwendungen liefert die im Rahmen der VDE-Studie durchgeführten Umfrage zur Akzeptanz von Servicerobotern bei älteren Menschen. Unter den Befragten war die generelle Zustimmung zu Servicerobotern bei Technikern mit 75 Prozent erwartungsgemäß am höchsten, aber auch bei Senioren (56 Prozent) und Pflegekräfte (50 Prozent) ist die Akzeptanz ausgeprägt. Allerdings polarisiert die Bewertung der Robotik bei älteren Menschen erheblich stärker als bei den anderen Gruppen: 40 Prozent der Senioren lehnen die Servicerobotik im Alltag spontan ab. Offensichtlich haben viele Zweifel an dem Nutzen und der Alltagstauglichkeit sowie an der Funktionsfähigkeit und intuitiven Bedienbarkeit der Roboter. 60 Prozent der befragten Senioren empfinden Robotik sogar als „unheimlich“. Auch besteht ein steiles Gefälle zwischen der positiven Bewertung von Servicerobotern (wie etwa der aus Japan stammenden interaktiven Roboter-Therapierobbe Paro für Demenzpatienten) und der Bereitschaft, diese selbst auszuprobieren. Die Nutzungsbereitschaft hängt dabei stark von der Lebensform der Befragten ab: Fast die Hälfte aller befragten alleinlebenden Senioren könnte sich vorstellen, Paro selbst einmal auszuprobieren.

Generell ist der Wunsch nach einer selbstständigen Lebensführung ein starker Faktor für die Akzeptanz. So erreichte das futuristische Anwendungsszenario „roboterisierter Rollstuhl“ einen der höchsten Rankingplätze, obwohl die Vorbehalte gegenüber Systemen, die direkt mit den Menschen kommunizieren, kooperieren oder sie sogar berühren, im Gegenzug am stärksten ausgeprägt sind. Der Nutzen - Mobilität, Orientierung, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Schutz der Intimsphäre - wird in diesen Fällen höher bewertet als die damit verbundenen akzeptanzhemmenden Faktoren. Die überwiegende Mehrheit der Befragten würde einen Serviceroboter zu Hause der Alternative Altenheim vorziehen. Am beliebstesten sind Roboter, die abgrenzbare Tätigkeiten im Haushalt autonom erledigen, insbesondere Staubsauger- und Wischroboter. Im Mittelfeld leigen die Szenarien „gesundheitliches Monitoring“, „Fitness-Coach“ und „Kommunikation und Anregung“, gefolgt von Fensterputz-Robotern, Therapieanwendungen und humanoiden Haushaltsrobotern für komplexe Tätigkeiten. Insgesamt entstehen laut VDE-Studie aus der Umfrage „das Konzept eines ‚Gesundheitsassistenten‘, der zur gesundheitlichen Prävention animiert, den Kontakt zu Freunde und Verwandten erleichtert, Zeitungsbereicht oder Gedichte vorliest, Notizen und Einkaufslisten verwaltet und auch als Fitness-Animator einsetzbar ist. Hilfreich wäre es, wenn er zusätzlich einzelne Tätigkeiten im Haushalt wie Gegenstände holen oder ans Bett bringen übernehmen könnte.“ Darüber hinaus müssen die Serviceroboter robust, intuitiv bedienbar und auf die jeweiligen Handicaps zugeschnitten sein, sich auf nachlassende Fähigkeiten im zunehmenden Alter flexibel einstellen können und sich von menschlichen Werten leiten lassen.

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